Bühnenbild von Lou Simard foto © by AHM 2012
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© by dacapo ggmbh
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Regie und Theaterpädagogik

Ball der Diebe (2016) Foto©dacapo 2016

Regie und Theaterpädagogik für Jugendliche und junge Erwachsene

 

Als Regisseurin in der Profi-Szene habe ich bislang zwei Opern und mehr als fünfundzwanzig große Regien im professionellen Rahmen und mit jugendlichen Schauspieler(inne)n verantwortet. Als studierte Theaterpädagogin verfüge ich über fast vierzig Jahre Bühnenerfahrung, sowohl als Musikerin für Theater und Schauspielerin, als auch als Regisseurin. Meine Theaterprojekte mit jungen Menschen finden in der Presse und bei den Zuschauer(inne)n deswegen oft sehr gute Resonanz. 

 

Künstlerische Kompromisse gehe ich nicht ein, denn am Ende muss die Show ja gut sein. Ich vertraue aber den jungen Schauspieler(inne)n, denen ich als Coach alle nötigen Hilfestellungen reiche. So können wir zusammen inhaltlich und ästhetisch anspruchsvolle Ergebnisse erzielen.

 

Rike Moll, die der Veröffentlichung an dieser Stelle freundlicherweise zugestimmt hat, führte mit mir im Herbst 2019 als Schülerin der Waldorfschule Elmshorn bei Hamburg folgendes Interview, das Einblick in meine Arbeitsweise mit jugendlichen Schauspieler(inne)n gibt.

 

Der Text sollte von allen interessierten Jugendlichen und deren Lehrer(inne)n gelesen werden, wenn sie erwägen, mich für ihr Projekt zu engagieren.

 

 

 

Rike Moll interviewt Lou Simard

 

1. Rike Moll [im Folgenden RM]: Was finden Sie an Ihrem Beruf interessant? Was fasziniert Sie so daran?

 
Lou Simard [im Folgenden LS]:

 

Am Inszenieren von Theaterstücken fasziniert mich vor allem die Vielfalt. Theater ist die Kunst, die gewissermaßen alle andere Künste enthält: Schauspielerei, Literatur, Poesie, Drama, Musik, Tanz. Und auch das Handwerkliche, z.B. in der Arbeit an Bühnenbild und Kostümen.

 

Am Inszenieren speziell mit jungen Erwachsenen fasziniert mich die Möglichkeit der Entfaltung individueller Talente, wie sie ja in Euch allen teils unentdeckt schlummern. Die oft enormen Fortschritte vom Anfang bis zum Ende der Proben mitzuerleben, ist sehr aufregend. Es macht mich zufrieden und es ist sogar eine Art von Privileg, mit Leuten, die nicht aus meiner Generation stammen, intensiv an interessanten Themen arbeiten zu können. 
   
2. RM: Welche Rolle spielt das Theater/Schauspiel in Ihrem Leben?

 

LS: Theater und Musik spielen eine zentrale Rolle in meinem Leben. Beide sind seit meiner Kindheit als Formen von Kommunikation omnipräsent. Gleich ob Schauspielerei, das Inszenieren oder das Musizieren – diese Künste erlauben mir heute, auf eine poetische Art Kontakt zu anderen Menschen herzustellen, und zwar in einer Weise, wie er mit bloßen Worten nicht möglich wäre. Das erlebe ich als erfüllend.

 

3. RM: Glauben Sie, die Arbeit mit Theater innerhalb der Schule beeinflusst die Entwicklung der Schüler?

 

LS: Ich weiß es sogar! Oft habe ich erlebt, dass Schüler(innen) durch Theaterprojekte Aspekte von sich selbst entdecken und dann weiterentwickeln. Sie lernen sich und ihr eigenes Potential besser kennen.

 

Beim Finden und Entwickeln von Rollen arbeitet man ja sehr intensiv und direkt an und mit sich selbst, ein zunächst zutiefst individueller Vorgang. Man arbeitet aber ebenso an sich als sozialem Wesen. Als Mitglied in einer Theatergruppe ist man menschlich gegenseitig stark voneinander abhängig, so stark wie kaum sonst. Alles hängt miteinander zusammen, voneinander ab, alle Elemente sind essentiell. Die ganze Gruppe ist betroffen, wenn z.B. jemand bei der Probe fehlt oder den Text nicht gelernt hat oder die Arbeit am Bühnenbild nicht fertig ist. In solchen Situationen stockt der kreative Prozess der gesamten Gruppe. Jede und jeder ist bei der Arbeit für die ganze Gruppe verantwortlich. Und wenn man bei den Aufführungen auf der Bühne steht, ist man Teil dieses Kollektivs, Gruppenmitglied statt Ego-Shooter.

 
Das ist auch nicht viel anders bei den Profis. Jede Rolle und jeder intensive gruppendynamische Prozess bringt dich in der Entwicklung deiner Persönlichkeit weiter, als Individuum und als soziales Wesen.
 
4. RM: Wenn Sie sich bewusst dazu entschieden haben, an Waldorfschulen zu arbeiten: wieso?
 
LS: Die Waldorfschulen sind mit dem pädagogischen Konzept, zwei Theaterprojekte in den Jahrgängen 8 und 12 obligatorisch durchzuführen, m. E. die einzige Schulform, die SchülerInnen wirklich von der persönlichkeitsprägenden Kraft des Theaterspielen konsequent und nachhaltig profitieren lässt. Ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal in der Schullandschaft!

 

Länge und Intensität der Theaterprojekte und die spezifischen Voraussetzungen der Waldorf- Schüler(innen) machen den entscheidenden Unterschied – sie ermöglichen qualitativ, künstlerisch und pädagogisch erstklassige Ergebnisse. Zwischen diesem Ansatz und den marginalen Theater-AGs an öffentlichen Schulen liegen wirklich Welten. Ja, ich arbeite sehr bewusst fast nur an Waldorfschulen! 
 
5. RM: Wie nehmen Sie das Arbeiten an Waldorfschulen mit den Schülern wahr? 

 

LS: Ich freue mich wirklich über jede neue Arbeit. Es ist bei jeder Gruppe von SchülerInnen anders, jedes Mal wieder ein großes Abenteuer. Aufregend!
 
6. RM Empfinden sie das arbeiten mit Schülern einer Waldorfschule anders als das mit Schülern "normaler" Schulen?

 

LS: Absolut. Die Waldorfschüler(innen) haben durch den Waldorfansatz systembedingt große Nähe zur Kunst und damit Voraussetzungen, die die meisten Schüler(innen) in den staatlichen Schulen in dieser Weise gar nicht haben können. »Waldis« haben von kleinauf aktiv musiziert, können singen, haben von kleinauf Bühnenerfahrung als MusikerInnen in Orchestern und SängerInnen in Chören, als EurythmietänzerInnen oder bei regelmäßigen Präsentationen wie denen der Monatsfeiern.

 

Durch die Eurythmieunterricht haben sie meist ein exzellentes Gefühl für Raum und Bewegung im Raume. Sie können oft sogar nähen und werken, haben bereits Erfahrungen mit dem Auswendiglernen von Texten. Das sind exakt die Zutaten, die man zur kollektiven Entwicklung eines erfolgversprechenden Theaterprojektes benötigt!
 
7. RM: Nehmen Sie bei den Schülern eine deutliche Entwicklung von Anfang der Proben bis zur Aufführung wahr?
 
LS: Bei den meisten: ja. Bei sehr vielen ist die Entwicklung sogar absolut bemerkenswert. Ich kann jedesmal sehr viele positive Gutachten schreiben!

 

8. RM: Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

 

LS: Merci aussi.

 

 

 

© Bremen 2019 by Lou Simard und Rike Moll

 

 

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